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28.08.2013 18:00 Black Lux - Ein Heimatfest aus Schwarzen Perspektiven

Freitag, 25.09.2020

Das afropolitane Berlin hat eine jahrhundertelange Geschichte. Dem internationalen Diskurs zu Schwarzer Identität aber hinkt Deutschland um Längen hinterher. Ob es um die eigene koloniale Vergangenheit geht, um die tief eingeschriebenen Muster von Rassismus in Institution und Alltag oder eben um die Vielfalt Schwarzer Lebenswelten als selbstverständliche Facette deutscher Gesellschaft ‒ der Nachholbedarf ist immens. Das zeigen die neuerdings regelmäßig geführten Feuilleton-Debatten etwa zum Einsatz von „blackface“ auf der Theaterbühne oder rassistischem Vokabular in Kinderbüchern.

Schon in der letzten Spielzeit intervenierte das Ballhaus Naunynstraße mit regelmäßigen Diskussionsveranstaltungen in die erhitzt geführte Debatte. Als Labor für Strategien des Aufbegehrens gegen Diskriminierung bietet das postmigrantische Theater in Kreuzberg eine Bühne für translokale Perspektiven, deren Selbstverständlichkeit noch nicht gegeben ist. Doch selbstbewusste ProtagonistInnen und künstlerische Praxen sind längst hier. Höchste Zeit für ein Heimatfest!

Nach der Sommerpause öffnet das Ballhaus seine Türen unter der künstlerischen Leitung von Wagner Carvalho und Tunçay Kulaoğlu. Die Spielzeit 2013/14 führt einen neuen Schwerpunkt ein: Vier Wochen im Spätsommer besetzt das Festival Black Lux ‒ Ein Heimatfest aus Schwarzen Perspektiven das postmigrantische Theater.

Mit internationalen und deutschen Gastspielen, einer neuen Eigenproduktion und dem breit gefächerten Rahmenprogramm schafft Black Lux einen prall gefüllten Raum des interdisziplinären Austauschs und führt erstmals aktuellste internationale Performance-Arbeiten mit Impulsen aus der deutschen Kunstszene zusammen.
Die KünstlerInnen, ob sie in Westeuropa oder in Lateinamerika leben und arbeiten, vereint die grenzgängerische Konfrontation mit der eigenen Identität, wenn Sprache, Körperlichkeit und Konfigurationen von Gender in kreativer Widerständigkeit erkundet werden.

Wir präsentieren die Deutschland-Premieren der Tanz-/Performance-Stücke von Cie Artincidence (Martinique/Frankreich) und Victor D’Olive (Brasilien). Unsere erste eigene Premiere in der neuen Spielzeit ist die Uraufführung von Elizabeth Blonzens Stück Schwarz tragen in der Regie von Branwen Okpako. Der Chroreograf Ricardo de Paula und die Regisseurin Simone Dede Ayivi, beide bereits am Ballhaus bekannt, kommen hier als Performer auf unsere Bühne.

Black Lux beschränkt sich nicht auf die Bühne, sondern schafft multimediale Assoziationsräume. Asoka Esuruoso kuratiert eine Videoinstallation mit Arbeiten von Branwen Okpako, Jamika Ajalon, Sinethemba Twalo, Thabo Thindi und Philip Metz. Eine Klanginstallation von Noah Sow bringt das gesamte Haus zum Schwingen. Deborah G. Moses-Sanks‘ Fotoserie Community, On Common Ground spürt den Fäden nach, aus denen gemeinsame Identität gewebt wird. Sie zeigt Bilder aus dem Alltag von Communities aus den USA und Berlin. Momentaufnahmen von Menschen, die große Trauer, Verluste oder Missachtung erfahren haben und doch in ihrem Leben bestehen. In Zusammenarbeit mit der Initiative Schwarze Deutsche e.V. präsentieren wir zudem ein interaktives kollektives Selbstporträt: Die Ausstellung Homestory Deutschland erkundet den aktiven und bewussten Gestaltungswillen Schwarzer Menschen in Deutschland von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart. Begleitet wird die Ausstellung von einem zusätzlichen Rahmenprogramm.

Das Künstlerkollektiv Arriving in the Future präsentiert mit Lesungen und Performances aktuelle Positionen zu populärer Kultur, Dialog und Identität. Autorin und Psychoanalytikerin Grada Kilomba bringt ihr Buch „Plantation Memories. Episodes of Everyday Racism“ erstmals als szenische Lesung auf die postmigrantische Bühne. Ein Wochenende lang beschäftigen wir uns in Vorträgen und Lesungen mit der Community der Afrotürken. Außerdem: Eine szenische Lesung mit dem afrodeutschen Theater-Ensemble Label Noir, Kurzfilme, der Dokumentarfilm Zumbi Somos Nós von Frente 3 de Fevereiro, ein Konzert mit Amewu, unsere Kiez­Monatsschau und weitere überraschende Interventionen.

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