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03.11.2009 20:30 Calling Home

Mittwoch, 30.09.2020

3. ‒ 7.11.2009, 20.30 Uhr

Die Filmreihe findet statt im Rahmen des Festivals BEYOND BELONGING: TRANSLOKAL

Mit Filmen von: Maria Eduarda Andrade, Thomas Ciulei, Ditte Haarløv Johnsen, Fernand Melgar, Moritz Siebert, Marcelo Starobinas, Özlem Sulak, Hisham Zaman

Zuhause ‒ das ist für viele Menschen auch ein Ort am anderen Ende einer Telefonleitung. Im Leben vieler MigrantInnen spielt das Telefonieren mit den zurückgelassenen Menschen am Herkunftsort eine große Rolle. Per Telefon werden Kontakte gepflegt und translokale Netzwerke gespannt, was für alle Seiten sowohl psychologisch als auch ökonomisch überaus wichtig, jedoch nicht immer einfach ist.

Gerade im Film ist das Telefonieren daher Sinnbild für die Migrationssituation: einerseits Ausdruck der Kommunikation in einer Welt, in der Migration und Diaspora zur Normalität geworden sind; andererseits überlagern sich in den Gesprächen häufig verschiedene mit der Migration einhergehende Zustände und Herausforderungen: Sehnsucht und Hoffnung, aber auch Erwartungsdruck, Schuldgefühle, Scham und Entfremdung.

Die Filmreihe versammelt ganz unterschiedliche Arbeiten, in denen das Telefonieren mehr oder weniger direkt Thema ist.

DIENSTAG, 3.11.2009, 20.30 Uhr

CALLING HOME
Regie: Maria Eduarda Andrade, Marcelo Starobinas
GB 2008, 12’, Dokumentarfilm, diverse Sprachen mit engl. UT
Der titelgebende Kurzfilm Calling Home fängt verschiedene Ferngespräche in einem jener Telefonläden in London ein, wie es sie in den migrantisch geprägten Vierteln auch anderer Metropolen an jeder Straßenecke gibt. Freud und Leid, die neusten Witze und die jüngsten Todesfälle, Sehnsucht und Geldtransfers ‒ all dies wird am Telefon geteilt und verhandelt.
Die in Brasilien aufgewachsene Maria Eduarda Andrade studierte Dokumentarfilm am Londoner Goldsmiths College; gemeinsam mit Partner und Drehbuchautor Marcelo Starobinas lebt und arbeitet sie momentan in New York.

ONE DAY
Regie: Ditte Haarløv Johnsen Dänemark 2007, 30’, Dokumentarfilm, Dänisch/Deutsch/Englisch mit engl. UT
One Day porträtiert einfühlsam den Alltag einer Frau aus Westafrika, die in Dänemark als Prostituierte arbeitet. Telefongespräche mit der Tochter in Ghana, deren Schulbesuch die Mutter mit ihrer Arbeit finanziert, kontrastieren mit Telefonanrufen von Freiern, in denen deren Wünsche verhandelt werden. Nicht jedoch die sexuellen Handlungen stehen im Vordergrund, sondern die Sehnsucht der Protagonistin. Besonders beeindruckend ist die visuelle Form, die der Film zum Schutz ihrer Person findet.
Die dänische Filmemacherin und Fotografin Ditte Haarløv Johnsen wuchs in Mozambique auf. Heute lebt und arbeitet sie in Kopenhagen. Für ‚One Day’ erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen.

LONG DISTANCE
Regie: Moritz SiebertGB 2009, 30’, Dokumentarfilm, Englisch/Amharic mit engl. UT
Um das Prekariat des internationalen Leistungssports geht es in dem Dokumentarfilm Long Distance. Der Film begleitet den Alltag eines äthiopischen Langstreckenläufers in New York, der mit den Preisgeldern lokaler Rennen sich und seine Angehörigen in Äthiopien über Wasser zu halten versucht. Morgen für Morgen trainiert er hartnäckig in den noch menschenleeren Straßen der Bronx. In regelmäßigen Telefongesprächen muss er sich und seine Familie vom Erfolg seines Vorhabens überzeugen.

Im Anschluss an die Vorführung Gespräch mit dem Regisseur
Moritz Siebert.

Moritz Siebert studierte Dokumentarfilm an der Londoner National Film and Television School (NFTS). ‚Long Distance’ ist sein Abschlussfilm und lief bereits auf zahlreichen internationalen Festivals.

MITTWOCH, 4.11.2009, 20.30 Uhr
VIDEOARBEITEN VON ÖZLEM SULAK
Die türkische Künstlerin Özlem Sulak setzt sich in ihren Arbeiten mit den Migrationsgeschichten in ihrem persönlichen und familiären Umfeld auseinander: In Granny (Deutschland 2005, 9’, Türkisch mit engl. UT) lässt sie ihre Großmutter von ihrer Emigration aus dem westlich geprägten Sarajevo ins Anatolien der 1930er Jahre erzählen. Neben großem Bedauern über den als gravierend erlebten Einschnitt schwingt viel Humor in deren Erzählung mit. In der Folgearbeit Vratnik 13 (2007, Türkisch/Englisch mit engl. UT) begibt sich die Künstlerin auf eine Erkundungsreise in das heutige Sarajevo. Angeleitet wird sie dabei von der Erinnerung ihrer Großmutter, die ihr per Handy den Weg durch eine Realität weist, die schon lange nicht mehr existiert. Cousin (2007, 10’, Türkisch/Deutsch mit engl. UT) dokumentiert die Begegnung der Künstlerin mit ihrer in Hannover lebenden Verwandtschaft. Mithilfe türkischer Städtenamen buchstabiert Sulaks Mutter der Tochter deren Adresse über das Telefon. In Deutsches Auswandererhaus (2008, 20’, Türkisch/Englisch mit engl. UT) schließlich begleitet Sulak vier Zuwanderinnen beim Besuch des gleichnamigen Museums in Bremerhaven, wobei Ausstellungsgegenstand und persönliche Erfahrungen der Frauen verschmelzen.

Im Anschluss an die Vorführung Gespräch mit der Künstlerin Özlem Sulak.
Özlem Sulak, geboren und aufgewachsen in der Türkei, studierte in Istanbul, Liverpool und Bremen. Seit 2005 lebt sie in Deutschland, momentan als Stipendiatin an der Villa Minimo des Kunstvereins Hannover.

DONNERSTAG, 5.11.2009, 20.30 Uhr
PODUL DE FLORI (Die Blumenbrücke)
Regie: Thomas Ciulei
Rumänien 2008, 87’, Dokumentarfilm, OF mit engl. UT
Die Perspektive der Zurückgebliebenen nimmt der Dokumentarfilm Podul de Flori ein: Während die Mutter in Italien arbeitet, ist der Vater mit den drei Kindern auf dem kleinen Hof in der moldawischen Provinz zurückgeblieben, wo es einen harten Alltag zu bewältigen gilt. Aus den geplanten zwei Jahren in Italien, die eine Renovierung des Hauses und den Kindern eine gute Schulausbildung finanzieren sollten, sind bereits vier geworden. Telefongespräche, Briefe und ein Plastiksack voller Geschenke sind die einzigen Kommunikationsmöglichkeiten. Ein Film über die Abwesenheit einer Person.
Der in Rumänien aufgewachsene Thomas Ciulei studierte Fotografie in New York und Dokumentarfilm an der HFF München, an der er seit 2000 auch unterrichtet. Für ‚Podul de Flori’ erhielt er 2008 den Arte Dokumentarfilmpreis der Duisburger Filmwoche sowie den Dokumentarfilmpreis des Filmfestivals GoEast.


FREITAG, 6.11.2009, 20:30 Uhr
VINTERLAND (Winterland)
Regie: Hisham Zaman
Norwegen 2007, 55′, Spielfilm, Norwegisch/Kurdisch mit deutschen UT
Der Spielfilm Vinterland erzählt auf lakonische und humorvolle Weise von einer über das Telefon arrangierten Ehe. Als die Braut aus Kurdistan schließlich in der abgelegenen und verschneiten Region Norwegens landet, wo ihr zukünftiger Ehemann schon seit vielen Jahren bestens integriert lebt und arbeitet, ist die Ernüchterung auf beiden Seiten groß. Bevor es zu einer langsamen Annäherung kommen kann, muss mit der Telefonzelle vorm Haus erst kurzer Prozess gemacht werden, um die Leitung zur neugierigen Verwandtschaft zu kappen.

Im Anschluss an die Vorführung Gespräch mit dem Regisseur
Hisham Zaman.

Hisham Zaman, geboren und aufgewachsen im Irak, studierte Regie an der Norwegischen Filmschule in Lillehammer. Er lebt und arbeitet in Norwegen, wo er mehrere preisgekrönte Kurzfilme drehte, darunter ‚Bawke’ (2005).

SAMSTAG, 7.11.2009, 20:30 Uhr

LA FORTERESSE
Regie: Fernand Melgar
Schweiz 2008, 100’, Französisch u.a. mit engl. UT
Über einen Zeitraum von mehreren Monaten hat der Filmemacher die Ereignisse in einem Schweizer Erstaufnahmelager für AsylbewerberInnen beobachtet und mit La Forteresse ein dichtes und sehr sensibles Portrait dieser Institution mit ihren Strukturen und der in ihr agierenden Menschen geschaffen. Gnadenlos sortiert die Maschinerie Tag für Tag alljene Menschen mit den ‚falschen’ Geschichten aus.
Dem Film wird ein von der IOM und dem Schweizer Bundesamt für Migration produzierter Clip vorangestellt, der die Menschen in Afrika vom Aufbruch nach Europa abhalten will. Das Telefongespräch eines in der Schweiz gestrandeten jungen Mannes mit seinem Vater in Kamerun wird hier filmisch inszeniert, um das Leben in Europa in düsteren Farben auszumalen.
Die Kombination beider Filme soll eine Diskussion über die Schwierigkeiten von MigrantInnen, ihre Erfahrungen zu thematisieren sowie deren Recht auf die eigene Erzählung anregen.
Diskussion mit Nanna Heidenreich, Kanak Attak.

Fernand Melgar wurde als Sohn spanischer Exilanten in Tanger geboren und emigrierte später in die Schweiz, wo er heute als Dokumentarfilmregisseur und Produzent für das Kollektiv Climage in Lausanne arbeitet. ‚La Forteresse’ gewann 2008 in Locarno den Goldenen Leoparden im Wettbewerb ‚Cinéastes du présent’.

Hanna Keller ist seit 2005 Mitarbeiterin des Berlinale Forums. Von 2007 bis 2009 war sie Kuratorin des Londoner Frauenfilmfestivals »Birds Eye View«.

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