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Performance

Kavehane: Turkish Delight - German Fright?

Kuratiert von Tunçay Kulaoğlu & Martina Priessner

Theater-Parcours durch anatolische Kaffeehäuser in Berlin-Kreuzberg und -Neukölln

7.11.2008, 16‒20.30 Uhr, alle 15 Minuten
8.11.2008, 16‒20.30 Uhr, alle 15 Minuten
9.11.2008, 12‒16.30 Uhr, alle 15 Minuten

Gesamtdauer pro Parcours ca. zwei Stunden, Startpunkt Ballhaus Naunynstraße

»Zutritt nur für Vereinsmitglieder!« prangt es an milchig weißen Fensterscheiben anatolischer Kaffeehäuser in Kreuzberg und Neukölln. Wer einen Blick in das Innere erhascht, sieht Männer, die an Tischen sitzen und Okey oder Backgammon spielen ‒ dabei nippen sie an ihrem Mokka oder an einem Glas mit schwarzem Tee. Für Außenstehende sind die Kahvehane Leerstellen in der Stadt. Orte, die man beäugt, aus dem Augenwinkel wahrnimmt, aber nicht betritt.

Als Anfang der 70er Jahre die ersten Kahvehane entstanden, war dies Ausdruck der fehlenden Infrastruktur für die türkische Bevölkerung in den deutschen Städten. Nicht selten blieb den neuen Gästen aus der Türkei sogar der Zutritt zu deutschen Lokalen und Kneipen verwehrt.

Kahvehane sind aber auch immer eine Verbindung zur Heimat. Über den Türen hängen Namen wie Dersim, Gediz oder Yavuzeli, die auf ein Stück deutsch-türkische Migrationsgeschichte verweisen: Sie bezeichnen die Städte und Dörfer, aus denen sich die ArbeiterInnen im Zuge der Anwerbung Anfang der 60er Jahre auf den Weg nach Deutschland machten.

Das Projekt Kahvehane ‒ Turkish Delight, German Fright?* bringt zwölf Künstlerinnen und Künstler mit jeweils einem Kaffeehaus zusammen. Durch die Auseinandersetzung mit den Räumen entstehen Arbeiten, die aus unterschiedlichen Perspektiven vorherrschende Bilder und Mythen befragen. Die Interventionen schaffen Ausnahmesituationen; die Räume öffnen sich für widersprüchliche Nutzungen und Verständnisse.

Der Parcours besteht aus zwölf Inszenierungen, Performances und Installationen, die einen Bogen zwischen Geschichte und Gegenwart der Kaffeehäuser in Berlin-Kreuzberg und -Neukölln spannen. Während des Spaziergangs von einem Kahvehane zum nächsten nimmt der Besucher die Perspektive des Flaneurs ein: Der städtische Raum wird zu einem Teil der Arbeit.

Das Mapping der Kaffeehäuser und ihrer Namen macht die Beziehungen zwischen dem Berliner Stadtraum und der Türkei sichtbar; eine Wegstrecke durch Kreuzberg wird zu einer imaginären Reise durch Anatolien. Die Visualisierung der Kaffeehäuser dokumentiert ein Stück Migrationsgeschichte: Es gibt amüsante Details, traurige Grundrisse, alltägliche Ansichten ‒ eine Typologie der Kahvehane entsteht.

* Die Idee zu diesem Titel lieferte uns Deniz Göktürks Text Turkish delight ‒ German fright: Migrant identities in transnational cinemas.

Mit Arbeiten von:
Züli Aladağ (Filmemacher, Berlin)
Sinan Akkuş (Filmemacher, Köln)
Mıraz Bezar (Filmemacher, Berlin)
Neco Çelik (Filmemacher, Berlin)
Silvina Der-Meguerditchian (Bildende Künstlerin, Berlin/Buenos Aires)
Canan Erek (Tanzchoreografin, Berlin)
Nurkan Erpulat (Theaterregisseur, Berlin)
Stephan Geene (Filmemacher/Autor, Berlin)
Loulou Omer (Tanzchoreografin, Berlin)
Michael Ronen (Theaterregisseur, Berlin/Tel Aviv)
Branko Simic (Theaterregisseur, Hamburg)
Silke Wagner (Bildende Künstlerin, Frankfurt/M.).