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Musik Performance Tanz

Permanente Beunruhigung Vol. IV

Eine interdisziplinäre Begegnung

10. Juni 2017, 20 Uhr / 11. Juni 2017, 19 Uhr

Mit: Raphael Hillebrand, Infinite Livez, Kenny Wesley

– English version below –

Gibt es Epochen der Unruhe? Zeiten, in denen die Brüche einer Gesellschaft sichtbarer werden. Zeiten, in denen Misstrauen und Ablehnung die Diskurse fragmentieren. Was macht das mit uns, wie gehen wir damit um? Sich zurückziehen, um Ruhe zu finden, ist eine Möglichkeit. Für wen? Das Gleichgewicht wiederzuerlangen, wird zur Aufgabe. Oder zum Beginn einer Choreografie. Denn: Wer beunruhigt hier eigentlich wen?

Ohne Beunruhigung gibt es für uns keine Kunst, das heißt ohne den Zweifel an der Gesellschaft und ohne die Lust, das Publikum aus der Fassung zu bringen.

Künstler*innen des Ballhaus Naunynstraße arbeiten zwei Tage in einer nie zuvor erprobten Konstellation zusammen – spontan, interdisziplinär, actionreich, ohne vorherige Absprachen, ohne Skript und Interventionen von außen. Zwei Tage hochfahren, produzieren, Talente und Kräfte kennen lernen, Prozesse finden, Grenzen dehnen. Am dritten und vierten Tag ist das Publikum zum Showing geladen.

Finden sie ihre Gemeinsamkeit, den Moment des kollektiven, künstlerischen Sprungs? Risiko, Adrenalin und performativ rohe Setzungen. Die Show als Zusammenprall; oder liegt die ästhetische und politische Wucht doch in der zarten Brüchigkeit?

Nicht zu wissen, wie die Begegnung ausgeht, ist ziemlich beunruhigend.

Vergangene Ausgaben und ihre Künstler*innen aus der Reihe Permanente Beunruhigung – Eine interdisziplinäre Begegnung:

PERMANENTE BEUNRUHIGUNG VOL. I

EINE INTERDISZIPLINÄRE BEGENUNG MIT EURICO FERREIRA MATHIAS, NASHEEKA NEDSREAL, ZÉ DE PAIVA & RICARDO DE PAULA

Erstaufführung: 4. Februar 2017

Eurico Ferreira Mathias (Cello), Nasheeka Nedsreal (Tanz), Zé de Paiva (Tanz & Videoperformance) und Ricardo de Paula (Tanz) hatten sich der Beunruhigung einer nicht vorhersehbaren performativen Begegnung ausgesetzt und eine Performance geschaffen, die als Ubuntu im Programm des Ballhaus Naunynstraße bereits wiederaufgenommen wurde.

Welche Berührungskurve durchläuft der Schwarze Körper in dieser Gesellschaft? Wer beunruhigt hier wen? Vor allem wenn die gesellschaftliche Härte zunimmt. Welche Begegnung, welche Berührung kann stattfinden? Zu welcher Berührung ist das Publikum bereit?

PERMANENTE BEUNRUHIGUNG VOL. II

EINE INTERDISZIPLINÄRE BEGEGNUNG MIT BISHOP BLACK, FRITZ HELDER, MMAKGOSI KGABI & DUSTY WHISTLES

Erstaufführung: 30. März 2017

Bishop Black (Performer), Fritz Helder (Performer & Musiker), Mmakgosi Kgabi (Performerin & Tänzerin) und Dusty Whistles (posthuman Drag Queen & Performerin) kamen zusammen und brachten sich und alle anderen aus der Ruhe mit ihrer Frage nach den eigenen, ruhigen Momenten souveräner Selbstbestimmung. „Bitte lassen Sie Ihr Handy an, schalten Sie es auf laut und geben Sie es hier ab.“- So beginnt die Show, und die Anspannung des Alltags bleibt erhalten.

Welche Devices sind überlebenswichtig? Wie schützen wir uns? Als queere Protagonist*innen, als Schwarze, als Künstler*innen, als Teil dieser Ökonomie? Mit Make-Up, Up-dressing, Online-Fassaden, Rückzug, Freunden und Freundinnen? Und währenddessen strukturiert das Klingeln unserer auf der Bühne liegenden Mobiltelefone die Inszenierung.

PERMANENTE BEUNRUHIGUNG VOL. III

EINE INTERDISZIPLINÄRE BEGEGNUNG MIT SOFIA BORGES, ISABEL GONZALEZ TORO, SILVIA OSPINA & JULIANA PIQUERO

Erstaufführung: 28. April 2017

Bier? Cerveza? We look good as a band, don’t we. Sofia Borges (Musikerin), Isabel Gonzalez Toro (Musikerin), Silvia Ospina (Tänzerin) und Juliana Piquero (Performerin & Tänzerin) kamen zusammen und produzierten Souveränität.

Vier Perfomerinnen bedienen kurz die Erwartung. Ziemlich angenehm das Ganze. Und dann werden die Regeln geändert: What would be your superpower? Your superpower against princesses? As a child I dreamt of X -Ray vision, now I would prefer that I could breathe under water? And you?

Ein Moment der Selbstverständigung, Sound wird aufgefahren, die Choreografie kippt ins Gefecht, Körper und Machete zerschneiden den Raum, es herrscht Krieg. Im Kampf gegen die Verobjektivierung von Frauen, denn es gilt: „Not One Woman Less“.

Fotos: © Wagner Carvalho