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Denken Performance

ECHOING EUROPE - POSTCOLONIAL REVERBERATIONS

Sound-Performance von meLê yamomo

(in englischer Sprache)

Performances: 08./09./10./11. April 2020, 20:00 Uhr

Lärm, Krach, Rauschen, die Schallwellen treffen auf das Trommelfell. Geräusche sind physische Berührungen. Die Berührung mit etwas Unbekanntem. Würden wir es verstehen, wäre es vielleicht „Musik“. Wer fällt das Urteil, was ein „Geräusch“ ist? Für wen wäre es „Musik“? Halten wir diese Berührung aus?

In Echoing Europe- Postcolonial Reverberations re-arrangiert meLê yamomo, Performer, Komponist und Wissenschaftler für Sound-Studies, die europäische Kolonialgeschichte der Musik. Im Zentrum stehen die Aufnahmetechniken in Zeiten des Kolonialismus, konkret in der Zeit von 1890-1950 in Südostasien.

Denn das tragbare Grammophon machte aus den flüchtigen Ereignissen transportierbare Rohstoffe für die wissenschaftliche und geschichtliche Konstruktion Europas, seines „Außen“, seines Musikverständnisses. Die Tonaufnahmen als Trophäen einer kolonialen Klang-Aneignung lagern in Berlin, in den umfänglichsten Archiven der Welt. Was hören wir heute in diesen Aufzeichnungen? Was bedeuten sie für die Konstruktion unseres Bildes von Europa, der europäischen Musiktradition, für die Konstruktion der „Anderen“? meLê yamomo beschäftigt sich seit Jahren eingängig mit den historischen Aufzeichnungen und klanglichen Verflechtungen, mit den damit verbundenen Grenzziehungen und der Gewalt. Denn zwischen „Musik“ und „Geräusch“ verläuft eine Grenze ‒ mit all der Gewalt, die Grenzen mit sich bringen.

Mit Echoing Europe schafft meLê yamomo zusammen mit dem Performer Pepe Dayaw im Ballhaus Naunynstraße eine neue Lautkammer: elektronische Musik und historische Tondokumente, Aufzeichnungen zu den Berliner Archiven und ihrer gegenwärtigen Politik bilden die Elemente seiner musikalischen Erzählung. Seine eigene Rolle als Performer und Wissenschaftler, als Person of Color, seine Beweglichkeit und erzwungene Erstarrung in den postkolonial wissenschaftlichen und kulturellen Verhältnissen bilden darin eine zentrale Frage. Nach seiner Teilnahme am internationalen Performancefestival Permanente Beunruhigung war dies die erste Arbeit des transnational agierenden Performers am Ballhaus Naunynstraße.

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„Wenn wir an Kolonialismus denken, haben wir meist bestimmte Strukturen oder bestimmte Bilder im Kopf. Wir denken aber kaum darüber nach, wie Kolonialismus klingt. Für mich sind diese historischen Aufnahmen Beweise, dass Kolonialismus auch mit solchen Aufnahmen konstruiert wurde.“ (meLê yamomo im Interview mit Deutschlandfunk, Mai 2019)

Echoing Europe is an intervention to reanimate and engage the affective epistemologies of these retired objects of silenced colonial history.“ (meLê yamomo im Interview mit TRAFO Blog for Transregional Research, Juli 2019)

„Was die Aufnahmetechnik ermöglicht hat, ist die globale Migration von Sound, doch die Körper, von denen sie genommen wurden, spielen keine Rolle. Bis heute: Sie haben keine Visa, sie haben keine Möglichkeit zu reisen. Das ist die globale Vernetzung, in der wir leben.“ (meLê yamomo im Interview mit VAN OUTERNATIONAL, Januar 2020)