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FESTIVAL DECOLONIAL FREQUENCIES: Eigenschwingungen – Forces of Overtones

Lecture-concert von meLê yamomo & Eurico Ferreira Mathias

Eine Veranstaltung im Rahmen des Festivals Decolonial Frequencies.

Die Begegnung: es gibt keinen Klang ohne einen zweiten, dritten, vierten. Irgendetwas schwingt immer mit. Aber was? Die europäische Musikgeschichte präferiert Grundtöne; sie gelten als „harmonisch“. Glocken, Stäbe, Gongs, Flöten … die meisten Klangkörper außerhalb Europas antworten anderen ästhetischen Bedürfnissen.

Am Ballhaus Naunynstraße kommen an diesem Abend der Soundwissenschaftler und Komponist meLê yamomo und der Cellist Eurico Ferreira Mathias zusammen. Das klassische Repertoire der europäischen Musikgeschichte prägte ihre Ausbildung. Die musikalische Landschaft ihres Alltags war von anderen Frequenzen geprägt. Hier nun treffen sie sich, um im Ausprobieren, Denken, Sprechen, Klangerzeugen, die Grenzen der beiden Klangwelten zu bespielen.

Es gibt keinen Klang ohne einen zweiten, dritten, vierten. Irgendetwas schwingt immer mit. Wir wollen etwas sagen, den richtigen Ton treffen, aber schon die Wangenknochen, die Gesichtshaut, ja der ganze Körper schwingen mit. Die Stimme macht uns aus – aber vieles schwingt mit. Und greifen wir zum Instrument, wird die Sache kaum eindeutiger, eintöniger. Denn nicht nur das Instrument und der eigene Körper, sondern auch der Raum und die Körper der Zuhörenden haben Anteil an dem Klang im Raum. Vielfache Eigenschwingungen reiben aneinander und wer in Angst auf­schreit, kann das Glas zum Zerspringen bringen. Einige Kulturen reduzieren den Grundton, um die Diversität der Obertöne zu verstärken.

Die europäische Setzung des „Harmonischen“ ist durchaus lokal. meLê yamomo und Eurico Ferreira Mathias setzen mit Eigenschwingungen – Forces of Overtones auf eine Erweiterung der Hörgewohnheiten, für eine Erfahrung und Wertschätzung migrierender Klänge, sich affizierender Schwin­gun­gen, für die glückliche Begegnung „disharmonischer“ Töne,  für neue Gleichzeitigkeiten.