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25.09.2013 17:30 Black Mirrors - Memory. Body. Identity.

Mittwoch, 30.09.2020

Die Video-Ausstellung Black Mirrors zeigt die Arbeiten von sechs afrikanischen, afrikanisch-diasporischen und afrodeutschen Video-Künstler_innen, deren Werke vielschichtige Reflexionen bieten und vorgefasste Vorstellungen von Schwarzer Identität, Sexualität, Gender, Begehren und Zugehörigkeit innerhalb des deutschen Kontextes und darüber hinaus infrage stellen und letztendlich verändern. In ihren Arbeiten sind Schwarze Identitäten, Perspektiven und Stimmen mehr als die Herausforderung eines Spiegels, der den Blick der Betrachter_innen zurückwirft, sie sind mächtige, verkörperte Subjekte, die für sich stehen.

Video-Installationen und Künstler

Branwen Okpako

Okpakos Video-Installation „Seh’ ich was, was Du nicht siehst?“ ist eine Kombination aus Installation und Film und arbeitet mit aktuellen Diskussionen zu Rasse und sexuellem Begehren. In parallel laufenden Projektionen werden zwei Schwarze Schauspieler_innen gezeigt, die sich Fassbinders umstrittenen letzten Film ‚Whity‘ ansehen und ihn kommentieren. Die Arbeit ist für die 5. Werkleitz Biennale im Jahr 2002 entstanden.

Branwen Okpako: „Mit meiner Arbeit verorte ich mich dort, wo ich mich geografisch und spirituell befinde, weil meine Filme das Leben, wie ich es sehe, bezeugen“, sagt die in Lagos (Nigeria) geborene Regisseurin, Autorin und Produzentin Branwen Okpako. Sie studierte Politik an der University of Bristol und kam später nach Berlin, um dort an der DFFB (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin) zu studieren. Okpakos ist international bekannt für ihre Arbeiten als Regisseurin und Produzentin.

Thabo Thindi
Video-Installation: „Exile Stories“. Von Thabo Thindi & Jozi.tv
Millionen Südafrikaner_innen sind überall auf der Welt verstreut und leben weiterhin außerhalb des eigenen Landes, insbesondere nach schmerzlichen Ereignissen wie dem 16. Juni 1976. Viele flüchteten nach Deutschland, da die DDR zu den Unterstützer_innen der Befreiungsbewegungen im südlichen Afrika gehörte. Sie haben Deutschland zu ihrem dauerhaften Zuhause gemacht.
Über die meisten dieser Menschen ist jedoch nicht viel bekannt. Weder Deutsche noch Menschen in Südafrika kennen ihre Geschichten. In einer Reihe von Interviews, die in ganz Deutschland mit jenen geführt wurden, die Südafrika aufgrund des Aufstands in Soweto und des Unterdrückungssystems des Apartheid-Regimes verließen, versammelt die Video-Installation und Dokumentation „Exile Stories“ ihre Stimmen.
Thabo Thindi ist ein Schwarzer südafrikanischer Filmemacher und Künstler, lebt in Berlin und gehört zu den ProduzentInnen und UrheberInnen von Jozi.tv, einem in Berlin ansässigen Netzwerk für Film- und TV-Produktionen. Das Netzwerk hat das Ziel, einen wesentlichen Beitrag dazu zu leisten, afrikanische Geschichten und Lebensgeschichten zu zeigen, auf Afrika bezogene Inhalte in Berlin und langfristig in ganz Deutschland und Europa zu dokumentieren, um letztendlich afrikanische Inhalte in Europa zu integrieren und vielfältiger zu präsentieren.

Sinethemba Twalo

„I was an Alien Unseen and Seen“. Von Sinethemba Twalo & Jamika Ajalon
Mit Sinethemba Twalos Performance und Jamika Ajalons Regie ist diese Arbeit eine Auseinandersetzung mit der verleugneten und oft bagatellisierten Beteiligung Deutschlands an kolonialer Aneignung und Genozid. Das Werk versucht Thematiken wie Verlagerung, Schmerz und Vertreibung, Richtung, Performance, Konzept und Klanglandschaft auszuloten.
Sinethemba Twalo lebt und arbeitet als Kulturproduzent in Johannesburg, Südafrika. Er gehört der Künstlergruppe „Archive“ an. Sinethemba ist Stipendiat der Akademie Schloss Solitude und hat an Ausstellungen in Johannesburg, Berlin und Stuttgart teilgenommen. Für seine Beteiligung an Nomsa Mazwais Debütalbum Nomisupasta wurde er für die South African Music Awards nominiert.

Jamika Ajalon

„berlinherosurbanskin“. Von Jamika Ajalon
Gemeinschaftliche experimentelle Dokumentation öffentlicher Intervention auf Berliner Straßenschildern ‒ die Namen gefeierter Kolonialherren wurden durch die Namen afrodeutscher Aktivist_innen/Künstler_innen ersetzt, die zwischen den 1930er und 70er Jahren lebten. Die Präsentation ihrer Namen steht für die Neuerzählung und Rückeroberung einer verborgenen Geschichte, die Wiedererweckung der ‚Geister‘ afrodeutscher Held_innen, die unter den Schichten Berlins städtischer Haut verborgen bleiben.

Jamika Ajalon ist eine interdisziplinär arbeitende Künstlerin, die unterschiedliche Medien einzeln, aber auch in vielfältigen Verbindungen einsetzt ‒ wobei sie Text in Wort und Schrift, Klang/Musik und Bilder verwendet. Jamika wuchs in den USA auf, lebt seit Jahren jedoch in verschiedenen europäischen Ländern, u.a. in England, Deutschland und inzwischen in Frankreich. Jamika hat ihre Arbeiten in Wien, London, Berlin, Dakar, Kampala und Paris aufgeführt, aufgenommen, veröffentlicht und ausgestellt. Vor kurzem veröffentlichte sie „The Little Book of Big Visions“ in der Reihe Witnessed bei Edition Assemblage.

Juli(a) Rivera

„The decadence of your starvation“ ist ein Performance-Werk von Juli(a) Rivera, das eine Schwarze, gender-offene Erzählung innerhalb eines größeren europäischen Zusammenhangs entwirft. Es handelt sich um einen autobiografischen Kurzfilm ohne gesprochenen Text.
Juli (a) Rivera ist ein(e) genderbegabte(r) afrikanisch-europäische(r) Geschichtenerzähler(in) und Aktivist(in), dier derzeit in Berlin und Toronto arbeitet. Riveras Filme beschäftigen sich oft mit dem in Deutschland herrschenden alltäglichen Rassismus und der Brutalität. Die Videos bieten dem Publikum eine lebendige Zusammenschau der aktuellen deutschen Landschaft.

Melody LaVerne Bettencourt

„Portrait of Nacia Gomi“. Von Melody LaVerne Bettencourt
Nacia Gomi ist die bedeutendste Sängerin und Texterin von Batuko / Finacaou. Sie ist auch ein Vorbild für eine neue Generation junger Musiker_innen, weil ihre Art zu singen einen Bezug zur kapverdischen Rap-Musik der heutigen Zeit hat. In der Kolonialzeit war Batuko aufgrund seiner politischen Texte und seiner Wurzeln in der oralen afrikanischen Tradition verboten. Melody LaVerne Bettencourt besuchte Nacia Gomi in ihrem Haus auf Santiago und bat sie zu singen.
„Morgenröte ‒ für Ze Paris“. Von Melody LaVerne Bettencourt
Das Video könnte sowohl als Musikvideo (inszeniert) als auch als Heimvideo (zufällig) gelesen werden, und als eine Art Porträt im Warhol’schen Sinne. Es ist ein Netz aus einzelnen, kreuz und quer verlaufenden Fäden, die die Identität der gefilmten Person bilden. Das sinnliche Spiel mit sexueller Identität wird ergänzt durch den Text des unterlegten Liedes (ein Bossa Nova-Song über die Vergänglichkeit jeden Glücks) mit einer ernsten und tragischen Note. Queere Menschen wie Ze Paris bilden die sonderbaren Ausnahmen, die dennoch wesentliche Elemente dieser Landschaft sind.
Die afrodeutsche Künstlerin Melody LaVerne Bettencourt hat Bildende Kunst an der HFBK Hamburg studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin. In ihren Video-Installationen, Gemälden und Kollagen präsentiert Bettencourt eine lebende Bühne, die von Freiheitskämpferinnen und hybriden Identitäten bevölkert wird, die auch mit ihrem eigenen Erbe und ihren Wurzeln spielen. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der Rolle von Frauen in post-kolonialen Gesellschaften in Zeiten von Veränderung/Revolution. Das Material liefert ihr ihre eigene Herkunft, die Geschichte der Heimat ihrer Mutter, der Kapverden.

Asoka Esuruoso

„Un-Silenced“. Von Asoka Esuruoso
Im Verlauf eines einzigen Tages schreiben zwei junge afrodeutsche Frauen sich selbst und die Texte Schwarzer deutscher Dichter_innen der Vergangenheit sowie der Gegenwart in die urbane Berliner Stadtlandschaft ein. Ihr Schreiben stellt nicht nur einen Akt der Freude, sondern ebenso einen der Rebellion dar und gibt Schwarzen deutschen Dichter_innen eine Stimme, die seit Jahrhunderten innerhalb der dominanten deutschen literarischen Diskurse und Narrativen der Zugehörigkeit zum Schweigen gebracht wurden.
Video: „Ila“. Von Asoka Esuruoso
Das Trauma der Vergangenheit und die Sklaverei sind niemals wirklich vergessen. Sie überdauern Generationen. Doch was passiert, wenn man sich auf eine Reise begibt, um die Vergangenheit zurückzuerobern, und sie nicht finden kann? Dieses kurze experimentelle Werk folgt der Erzählung der Großmutter der Künstlerin. Sie erzählt die Geschichte der Familie, die weit zurück bis zur alten Sklavenplantage in North Carolina reicht, wo ihr Urgroßvater geboren wurde.
Asoka Esuruoso ist eine interdisziplinär arbeitende Künstlerin, Filmemacherin und Autorin aus Boston, die seit fünf Jahren in Berlin arbeitet. Sie ist Mitgründerin des Schwarzen deutschen Empowerment-Projekts Arriving In The Future, das Performances in ganz Berlin kuratiert und eine Anthologie mit Schwarzer deutscher Lyrik und kreativem Schreiben herausgibt. Sie studierte Film am Maryland Institute College of Art in Baltimore und an der Columbia University, New York. Ihre Arbeiten wurden in den USA und Deutschland veröffentlicht und beschäftigen sich vor allem mit den Themen Schwarze weibliche Subjektivität und Sexualität, Familie, kulturelles Gedächtnis und Trauma in afroamerikanischen und Schwarzen deutschen Communitys.

Geöffnet an Spieltagen von 17:30 Uhr bis 23 Uhr.

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