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04.09.2010 16:00 Transient Spaces - The Tourist Syndrome

Montag, 26.10.2020

Zusammengestellt von: Tobias Hering, Marina Sorbello und Antje Weitzel
4. und 5.9.2010, jeweils ab 16 Uhr ‒ Eintritt frei!

Mit Filmen von Christian von Borries, Raphaël Cuomo & Maria Iorio, Sandra Hetzl, Christoph Oertli, Maxim Pozdorovkin & Joe Bender, Paul Rowley & Nicky Gogan und Marie Voignier

Im Mittelpunkt des Filmprogramms steht der Zusammenhang zwischen der Mobilität von Menschen und der Logistik der Macht: den Bewegungen des Kapitals, der Verschiebung von Machtzentren, dem Austausch von Symbolen und der Zirkulation von Bildern, die alle diese Phänomene als Schatten, Abbilder oder Phantasmen begleiten.

Mal gilt der Blick den Schauplätzen dieser Bewegungen und ihrer Architektur, mal stehen persönliche Biografien im Vordergrund, denen die Orte als Bühne oder Zuflucht dienen. Durch mannigfaltige Bezüge lassen die Filme zeitgenössische Formen der Mobilität erkennbar werden: Versuche, der eigenen Biografie einen Ort zu sichern in einer Welt, in der diese Mobilität ein ebenso lukratives wie prekäres Pfand geworden ist.

Die Filmvorführungen finden zumeist in Anwesenheit der Regisseure statt.

Programmübersicht

Samstag, 4.9.2010

16:00 Uhr
Marie Voignier, Hinterland, 2009, 49 min

Der Film konfrontiert die künstliche Urlaubswelt Tropical Islands vor der Haustür Berlins mit ihrer konkreten Situierung im strukturschwachen Brandenburg. Der Blick auf das touristische Megaprojekt, in dem alles darauf angelegt scheint, das „Ende der Geschichte“ zu einem ewigen Sommer zu verlängern, ist dabei keineswegs eindeutig.

17:15 Uhr
Maxim Pozdorovkin / Joe Bender, Capital, 2010, 75 min

1998 wurde in Kasachstan die Geschichte quasi auf Null zurück gedreht: Mit der Verlegung des Regierungssitzes von Almaty nach Astana kam nicht nur ein megalomanisches Bauprojekt in Gang, es wurde auch eine Tabula Rasa geschaffen, auf der kollektive Identität und persönliche Biografien sich neu erfinden sollten. Vor dem Hintergrund der Feierlichkeiten zum 10. Jahrestag der neuen Hauptstadt lässt der Film junge Abenteurer, philosophierende Bauarbeiter und fröhliche Journalistinnen zu Wort kommen.

19:30 Uhr
Christian von Borries, The Dubai in Me 2010, 78 min

Christian von Christian von Borries’ dokumentarischer Essay ist der Versuch, einem Ort nahezukommen, an dem Fiktion und Realität aus dem gleichen Stoff zu sein scheinen. Er macht keinen Unterschied zwischen dem Wahrheitsgehalt des eigenen dokumentarischen Bildes und dem von Produktanimationen und Second-Life-Sequenzen. Bild für Bild entschlüsselt sich das ‚Phänomen Dubai’ als eine Immobiliengesellschaft, die unter dem Deckmantel eines Staates operiert.

Sonntag, 5.9.2010

16:00 Uhr
Sandra Hetzl, Atigya Koraa or It Has Backfired, 2010, 45 min

Im Laufe der vergangenen Jahre ist Castel Volturno, eine Kleinstadt nordwestlich von Neapel, Zufluchtsort für Tausende, vorrangig westafrikanische irreguläre Migranten geworden, die ihr Auskommen in der Schattenwirtschaft Kampaniens finden. Sandra Hetzl interessiert sich für die Alltagsstrategien ihrer Protagonisten, für ihre Hoffnungen, Träume und für ihre bisweilen abenteuerlichen Sinnstiftungsversuche in einer Situation äußerster Willkür.

17:15 Uhr
Raphaël Cuomo / Maria Iorio, Sudeuropa, 2006, 40 min
Raphaël Cuomo / Maria Iorio, The Interpreter, 2009, 36 min

Gleichsam als reziproke Arbeiten auf Lampedusa und in Tunesien entstanden, aktivieren Sudeuropa und The Interpreter narrative Floskeln und mediale Klischees von Migration, um diese dann umso gründlicher zu dekonstruieren. Indem die Videos die Kongruenz zwischen Bild- und Tonebene aufheben, drehen sie die Fragerichtung um: Nicht die Wahrhaftigkeit der Geschichten steht auf dem Prüfstand, sondern die Konventionen der dokumentarischen Form und die blinden Flecken, die diese systematisch erzeugen.

19:45 Uhr
Nicky Gogan / Paul Rowley, Seaview, 2008, 82 min

In den 1960er Jahren gebaut dient die Ferienanlage Mosney nahe Dublin heute als Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende. Das weiterhin sichtbare Freizeitversprechen des Ortes steht im Gegensatz zur Situation der neuen Bewohner, ihrem unfreiwilligen Warten, ihrer nagenden Angst und ihren Widerstandsversuchen gegen die institutionelle Entmündigung. Dem Schlimmsten bereits entkommen, wird ihnen in der Grauzone des Schengen‒Raums beigebracht, was es heißt, kein Recht auf das eigene Leben zu haben.

21:30 Uhr
Christoph Oertli, No Sunday No Monday, 1997, 58 min

Das Leben einer internationalen Crew auf einem Kreuzfahrtschiff: Junge Menschen aus Deutschland, Italien, Osteuropa, Indonesien und den Philippinen erzählen von ihren Erfahrungen an Bord. Während das Schiff um die Welt reist, wird der Blick auf das Leben im Innern des Schiffes gelenkt. Reisebilder tauchen eher beiläufig auf. Der Alltag auf dem Schiff ist kaum von der eigentliche Reise beeinflusst. Es ist eine Welt für sich!

Programmübersicht
www.transientspaces.org

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