In Erinnerung an Bianca Klose
Selten hinterlassen Begegnungen solche stärkende Wirkung. Mit Bianca Klose haben wir nur eine gemeinsame Veranstaltung gemacht: gegen Rechts: die Kunst, politisch Stellung zu beziehen in 2017 am Ballhaus Naunynstraße. Akteur*innen aus Kunst, Kultur, Politik und Gesellschaft kamen hier zusammen, um Möglichkeiten und Strategien wider den rechten politischen Einfluss und die Vereinnahmung von Kultur zu entwickeln.
Bianca Klose saß zwischen Amelie Deuflhard, (Intendantin und künstlerische Leiterin Kampnagel / Hamburg), Kazım Erdoğan, (Vorsitzender des Vereins Aufbruch Neukölln und Gründer der ersten türkischen Vätergruppe in Deutschland), Clara Herrmann, (Bezirksstadträtin Friedrichshain-Kreuzberg / B’90/Die Grünen), Steffen Mensching, (Intendant / Theater Rudolstadt), Dr. Torsten Wöhlert, (Staatssekretär für Kultur / Berlin). Adrienne Goehler, (freie Kuratorin/Autorin; ehem. Kultursenatorin und HKF-Kuratorin) moderierte. Es war ein einzigartiger Abend: Hier kamen politische Erfahrung und sich ergänzende Ansätze zur gesellschaftlichen Veränderung zusammen. Und da die Bühne Wahrheiten offenbart, sah man auch funkelnde Selbstüberzeugungen und schillernden Pathos hinsichtlich der eigenen Sache. Nur Bianca Klose saß da, hörte zu, analysierte und sprach mit der Klarheit eines Menschen, die um die Sache weiß. In jedem Feld gibt es engagierte und gute Leute – und dann gibt es Profis. Bianca Klose war Profi im Verständnis dessen, wie Rechte agieren und wie sie daran gehindert werden, immer mehr Räume einzunehmen. Und sie war Profi darin, die Aufgabe als gemeinsame darzustellen, d.h. Podiumsgäste und Publikum vor eine realistische Aufgabe zu stellen.
Bianca Klose hat die Mobile Beratung Rechtsextremismus gegründet und über Jahre geprägt. Ihr Engagement, ihre Expertise und ihre Stimme waren für viele Menschen und Initiativen von unschätzbarem Wert. Gerade jetzt, da der Rechtsextremismus seinen Einfluss ausweitet, institutionalisiert, normalisiert, und das Leben vieler bedroht, werden uns ihre Stimme und ihr Handeln fehlen.
Man war – nach dieser ersten Begegnung – einfach froh im Wissen, dass es Menschen wie Bianca Klose, dass es Bianca Klose und die Mobile Beratung Rechtsextremismus gibt. Und so gingen in all den Jahren die Gedanken immer wieder zu dieser bemerkenswerten Veranstaltung, zu dieser Begegnung. Man war froh, weil sie einem gezeigt hatte, dass es möglich ist, mit großer Klarheit einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.