auf Deutsch, Englisch und Französisch mit deutschen und englischen ÜT
„Ich wollte immer eine Familie finden, in die ich reinpasse. Vielleicht ist es notwendig, sie selbst zu schaffen.“
Es gibt für uns kaum Modelle. Das, was uns von unseren Eltern oder Bezugspersonen vorgelebt wurde, lässt sich nicht übertragen. Ihre Welten waren andere, ebenso ihre Beziehungsmuster. Wir entwickeln eigene Wege, unsere Bedürfnisse wahrzunehmen, zu teilen und ihnen zu folgen. Als Schwarze und als queere Menschen in Sorgeverantwortung für Kinder suchen wir nach etwas, das noch nicht da ist.
Drei Performer*innen agieren in einem eigens für die Inszenierung geschaffenen Raum, sie nehmen Besucher*innen mit in ihre Welt. Ausgangspunkt sind Interviews, die Magda Korsinsky mit Schwarzen und queeren Menschen geführt hat. Im Zentrum stehen dabei Fragen vererbter Rollenbilder und eigener Kindheitserfahrungen, von ökonomischem Zwang und strukturellem Unrecht, von Liebe und Wut, von geteilter Verantwortung, und heilenden Beziehungsmodellen. Die Performer*innen verweben gelebte Erfahrungen mit Bewegung, Rap und Gesang, bis ein gemeinsamer Raum entsteht: für vielfältige Verantwortung, Intimität, Care und widerständige Formen des Zusammenlebens.
In Arrival of the Village begibt sich die dokumentarisch arbeitende Choreografin Magda Korsinsky gemeinsam mit ihrem Team auf die Suche nach veränderten Beziehungen: Denn das alte Modell der heteronormativen Kleinfamilie bringt Rollen hervor, die oft isolieren, erschöpfen oder abhängig machen. Anerkennung, Lust, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung bleiben auf der Strecke. Und wie kann mensch Vorbild sein, wenn sich so vieles falsch anfühlt? Wie können wir Formen von Familie erweitern und kollektive Fürsorge, gemeinsame Verantwortung und wechselseitiges Empowerment leben?
Arrival of the Village ist die fünfte Arbeit von Magda Korsinsky am Ballhaus Naunynstraße und führt ihre Suche nach Vorbildern, Räumen und Narrativen für Schwarze FLINTA* konsequent fort. Die Arbeit ist ein weiterer Schritt hin zu einer Kunst, die Resonanzräume schafft und der Härte dominierender Diskurse einen eigenen Rhythmus entgegensetzt.
PRESSESTIMMEN:
„Am Premierenabend entsteht und entlädt sich ein Energiefeld, das man im Anschluss an die Performance noch bis nach Hause in sich trägt.“